Der WordPress-Jahresrückblick – „State of the Word“

In seiner jährlichen Rede "State of the Word", in aller Bescheidenheit an die entsprechende Rede des US-Präsidenten zur Lage der Nation angelehnt, berichtet Matt Mullenweg, Co-Founder von WordPress, über die Fortschritte des Opensource-Projekts im letzten Jahr und die Pläne für die nähere Zukunft.

Am Samstag Abend deutscher Zeit war es für Matt Mullenweg wieder so weit: als Abschluss des WordCamp US in Nashville präsentierte er den „State of the Word 2017“. Die wichtigsten Ankündigungen und Updates haben wir hier zusammengefasst.

Community-Events

WordCamps 🌎🌍🌏

Das WordCamp US war das bisher 128. WordCamp des Jahres mit den noch anstehenden Veranstaltungen in Athen, Rom, Kampala und Bhopal macht das für 2017 132 Camps in 48  Ländern. Für diese Camps wurden insgesamt 39.625 Tickets verkauft. Das durchschnittliche Orga-Team eines WordCamps war in diesem Jahr mit 8 Personen besetzt, das sind 1.008 Organisatorinnen und Organisatoren, die insgesamt 2.310 Speaker und 1.091 Sponsoren organisiert und betreut haben.

Meetups 🤗

Die lokalen Meetup-Gruppen auf der ganzen Welt haben durch das neue, im Sommer hinzugefügte Veranstaltungs-Widget im Dashboard einen deutlichen Schub bekommen. Mit 99.301 Mitgliedern verzeichnen die offiziellen Usergroups damit einen Zuwachs von 33% im Vergleich zum Vorjahr.

WordPress-Foundation

Direkte Spenden möglich 💰

Ab sofort ist es möglich, die WordPress-Foundation direkt mit Spenden zu bedenken.  Wer spenden möchte, findet auf wordpressfoundation.org/donate verschiedene Optionen zum Spenden von 10, 50, 200 oder 1000 USD pro Jahr.  In Amerika werden sich diese Zuwendungen steuerlich geltend machen lassen, hierzulande nicht.

Bug-Bounty-Programm 🐛

Seit Mai ist ein Bug-Bounty-Programm auf der Plattform hackerone öffentlich. Über derartige Programme versuchen Unternehmen (oder Opensource-Projekte) Hacker dazu zu bringen, gefundene Sicherheitslücken vertraulich einzureichen. Im letzten halben Jahr wurden auf diesem Weg von 46 Personen insgesamt 52 Fehler gemeldet. Das Programm, dessen Belohnungen von der WordPress-Foundation gestellt werden, soll in Zukunft auch auf die Top-Plugins und -Themes (von WordPress.org) ausgeweitet werden.  Mullenweg hob Sicherheit als eine der top Prioritäten für das WordPress-Projekt heraus.

Plugins und Themes

Downloads und Sprachpakete 📦

Die 47.350 im Moment verfügbaren Plugins wurden bisher in Summe 633.274.305 mal heruntergeladen. Beim State of the Word 2015 wurde – zur Überraschung der zuvor nicht informierten Übersetzerinnen und Übersetzer – angekündigt, die wichtigsten Plugins und Themes über translate.WordPress.org zu übersetzen. Bis heute verfügen 1.166 Themes und 20.243 Plugins über Sprachpakete. Ein Blick auf die 10 Top-Plugins zeigt die starken Unterschiede in der Anzahl der Sprachen, in denen die einzelnen Projekte erhältlich sind.

Mehr Sicherheit durch Tide 🌊

Das Plugin- und Theme-Verzeichnis sollen im nächsten Jahr stärker in den Fokus gerückt werden. Mit dem Tide-Projekt wird dort eine Reihe neuer Funktionen einziehen. Tide besteht aus einer Reihe automatisierter Test, die über jedes Plugin und Theme im Verzeichnis in Echtzeit laufen. Auf den jeweiligen Plugin-/Theme-Seiten wird auf den Status der einzelnen Tests hingewiesen.

Einzelne Tests sind schwerer gewichtet als andere und können bei Nichtbestehen zur (vorübergehenden) Entfernung aus dem Verzeichnis führen. Für den Fall, dass die automatischen Tests Probleme aufzeigen, wo keine zu finden sind, werden Entwicklerinnen und Entwickler die Möglichkeit haben, die entsprechenden Stellen zu kommentieren.

Ein Blog auf make.w.org und einen Slack-Channel für Tide gibt es schon.

Growth Council 📈

Nach der Ankündigung eines „Growth Council“ im letzten Dezember wird sich das Council nächste Woche zum ersten Mal treffen. Die Idee ist, die Expertise verschiedenster Gruppen aus dem ganzen WordPress-Ökosystem zu sammeln und gemeinsam daran zu arbeiten, den Marktanteil des Systems zu vergrößern.

Das Growth Council soll sowohl kommerzielle als auch nicht kommerzielle Initiativen zusammenbringen. Erkenntnisse sollen geteilt werden, um zum Beispiel auf nationale Unterschiede zu reagieren. Die Bedürfnisse von „Enterprise-Kunden“, die mehr als 100.000 USD für ihre Websites zahlen, sowie kleineren Unternehmen und Privatpersonen, die einfach nach einer guten Opensource-Lösung suchen, soll gesondert Rechnung getragen werden.

Randnotiz: SSL 🔒

36.28% aller WordPress-Seiten weltweit nutzen SSL (TLS) um ihren Besucherinnen und Besuchern Inhalte verschlüsselt zu übertragen. Das ist ein Zuwachs von 14 Prozentpunkten im Vergleich zum letzten Jahr. Der Löwenanteil dieses Zuwachses ist wohl der Lets Encrypt Initiative zu verdanken.

Rückblick auf die Versionen 4.8 und 4.9 👀

In den beiden größeren WordPress-Updates des Jahres wurden vor allem einige Punkte angegangen, die schon länger bestanden und die Nutzung an einigen Stellen unnötig verkompliziert haben.

Widgets wurden deutlich verbessert. Sie erlauben jetzt den Einsatz von Shortcodes, lassen sich dank des visuellen Editors einfacher bedienen und haben mit verschiedensten Medien-Widgets einiges an Zuwachs bekommen.

Das bereits erwähnte neue Dashboard-Widget für Events zeigt aktuelle WP Meetups und WordCamps in der Region an und hat den lokalen Communities bereits deutliche Zuwächse beschert.

Der Customizer kann durch sogenannte Changesets Änderungen zwischen-speichern ohne sie direkt zu veröffentlichen – ähnlich, wie wir es auch schon von Entwurfsversionen normaler Inhalte gewohnt sind. Über einen Vorschau-Link  können die unveröffentlichten Änderungen auch an Dritte gegeben werden. Customizer-Locking verhindert das Überschreiben von Änderungen durch gleichzeitiges Bearbeiten und Änderungen können zu definierten Zeitpunkten aktiv werden.

Alle Neuerungen wurden in den PressWerk-Folgen 29 und 33 noch etwas detaillierter besprochen.

Zum ersten Mal seit 2010 wird es kein neues Default-Theme geben.

REST-API 🤖

Obwohl die API als einer der drei Bereiche benannt wurde, die in diesem Jahr einen besonderen Fokus erfahren sollten, wurden nur kleine Fortschritte erzielt. Die Hintergründe dazu erklärt Ryan McCue, seines Zeichens einer der Lead-Entwickler des API-Projekts, in seinem Blogpost „State of the REST API“.

Im anschließenden Q&A erklärte Matt, dass die REST-API keine besonders starke Nachfrage erlebe. Im Gegensatz zu etwas wie dem Gutenberg-Editor, wofür er Pagebuilder als Beispiel anführt. Daher werde wohl auch in naher Zukunft die eine oder andere von Entwicklerinnen und Entwicklern benötigte Funktion nicht in die API gelangen.

Besagte Entwicklerinnen und Entwickler reagieren hierauf spontan mit (nachvollziehbarem) Unverständnis:

WP CLI 👨‍💻👩‍💻

Grafik: WP-CLI hat in diesem Jahr 4 große Updates erfahren, 124 Contributoren haben mitgewirkt und 46 Vorträge zum Projekt wurden gehalten.
Beeindruckende Zahlen, seit das WP CLI Projekt zu WordPress.org gekommen ist.

Das WordPress-Kommandozeilen-Interface CLI war eigentlich keiner der Fokus-Bereiche, wurde als kleiner Bonus aber im Laufe des Jahres zu einem offiziellen Projekt von WordPress.org. Alain Schlesser der Co-Maintainer des Projekts war im Sommer im PressWerk-Podcast zu Gast.

Gutenberg 📚

Der Gutenberg-Editor, der aktuell als neuer Standard-Editor für WordPress entwickelt wird, wurde live auf der Bühne vorgeführt. In den letzten 11 Monaten wurden 18 größere Versionen des Editors veröffentlicht. Nach Matts Schätzung könnte die erste wirklich stabil nutzbare Version des Editors schon im April 2018 fertig sein.

WordPress 5.0 wird wie bereits angekündigt die erste Version werden, die mit Gutenberg ausgeliefert wird. Weitere Änderungen, die in der Zwischenzeit erfolgen kommen im Rahmen weiterer 4.9.X-Updates.

Mit Hilfe des „Classic Editor“-Plugins wird sich WordPress auch zukünftig ohne Gutenberg nutzen lassen, was vor allem Enterprise-Anwender entgegenkommen dürfte.

Das nächste Standard-Theme soll einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie Gutenberg neben dem Editor auch andere Bereiche verändern kann. Dafür wird alles als Blöcke betrachtet werden – Seitenleisten, Menüs, das Logo.

Fokus für das nächste Jahr

Grafik: Die drei Themen für 2018 sind Gutenberg Editing, Customization und Themes
Die drei Fokus-Themen für 2018

Die drei, von Mullenweg vorgegebenen Themen des nächsten Jahres sind alle Teil des Gutenberg-Projekts und sollen die neue Editor-Ansicht in entscheidenden Bereichen vorantreiben.

Gutenberg Editing ist der Teil des Projekts, den wir bereits kennen und der sich anschickt, den alten Inhaltseditor abzulösen.

Gutenberg Customization soll den nächste Schritt in der Entwicklung des Customizers markieren, über den aktuell schon viele Themes verschiedene Optionen und Anpassungen abwickeln.

Gutenberg Theme wird mit dem nächsten Standard-Theme einen ersten Vorgeschmack auf die Art und Weise geben, wie Themes das Block-Basierte Interface des Editors in Zukunft auch für Bereiche wie Navigation, Seitenleiste und Logo nutzen können.

11 Kommentare

  1. Das man den Gutenberg-Editor aufgezwungen bekommt und selbst mit dem „Classic Editor“-Plugin keine Möglichkeit besteht dies auf bestimme Custom Post Types zu beschränken ist schon ein starkes Stück. Angeblich soll ja nichts kaputt gehen. Das halte ich aber bei den vielfältigen Nutzungsformen der CPTs für eine ziemlich waghalsige Behauptung.

    Ich frage mich, ob ich ab April noch Support im Forum geben möchte, wenn das Chaos über viele unwissende, uninformierte Nutzer einbricht, die leichtfertig auf 5.0 aktualisiert haben in der Annahme, dies werde so unproblematisch wie sonst …

    1. Im aktuellen Setting wäre der Wechsel auf Gutenberg in der Tat ein großes Problem mit Reibungsverlusten ohne Ende. Aber weil sowohl das „Classic Editor“-Plugin als auch Gutenberg selbst nur den momentanen Stand darstellen und sich bis April (oder wann auch immer WP 5.0 wirklich kommt) noch eine Menge ändern kann, halte ich es nicht für Sinnvoll schon jetzt die Pferde scheu zu machen.

    2. Spezifische Post-Types kann man zumindest über den Filter ‚gutenberg_can_edit_post_type‘ abschalten. Aufkommende Freude bei Anwendern, mit mit zwei unterschiedlichen Oberflächen zurechtkommen müssen.

      Dass nichts kaputt gehen soll, halte ich bei der gewählten Implementierung nicht mal theoretisch für möglich.

      Daher die Entscheidung – wie in einem früheren Kommentar schon erläutert – für unsere Bestandskunden Gutenberg abzuschalten.

      PS.
      Ja, man soll keine Pferde scheu machen. Aber man sollte sie bei drohender Gefahr in Sicherheit bringen 🙂

    3. Was spricht denn dagegen den „Classic Editor“ bei bestehenden posts zu lassen mit dem Hinweis, wie bei den alten Text Widgets „Dieses Widget scheint Code zu enthalten, der vermutlich besser im neuen „HTML“-Widget funktioniert. Was hältst du davon, es auszuprobieren?“
      Und dann stelle ich erst auf Gutenberg um. Also volle Abwärtskompatibilität?!
      Zb. „Der Editor scheint Code zu enthalten, der vermutlich besser im neuen „Gutenberg“-Editor funktioniert. Was hältst du davon, es auszuprobieren? Du hast die Möglichkeit danach wieder zurück zu kommen.“

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