Wer WordPress installiert, erhält drei verschiedene Gestaltungsvorlagen mitgeliefert, die bei WordPress Themes genannt werden. Diese Standard-Themes sind sorgfältig programmiert, entsprechen dem neuesten Entwicklungsstand von WordPress und erlauben einige Anpassungen, mit denen die eigene Website etwas individueller gestaltet werden kann.

Allerdings machen sich viele Anwender nicht einmal die Mühe, die vorgegebenen Header-Bilder auszutauschen. Das Ergebnis sind hunderte WordPress-Websites, die das gleiche Header-Bild „Kaktus auf Schreibtisch“ aus dem aktuellen Standard-Theme Twenty Seventeen zeigen.

Kostenlose Vielfalt: WordPress-Theme-Verzeichnis

Wer seine Website etwas kreativer gestalten möchte, kann sich im WordPress-Verzeichnis eines der über 4.500 kostenlos erhältlichen Themes aussuchen. Die Richtlinien des WordPress-Theme-Review-Teams sorgen dafür, dass Anwender bei den hier angebotenen Themes keine unangenehmen Überraschungen erleben.

Alle Themes im WordPress-Verzeichnis unterliegen wie WordPress selbst der GNU General Public License (GPL), sind also kostenlose OpenSource-Software, dürfen deshalb für jeden gewünschten Zweck eingesetzt und nach Belieben angepasst werden. Sie geben Informationen nicht ungewollt an Dritte weiter und enthalten auch keine Funktionalität, die einen späteren Wechsel zu einem anderen Theme erschweren oder gar unmöglich machen könnten.

Die gestalterische Qualität der im WordPress-Verzeichnis angebotenen Themes ist optisch ansprechend und deckt vom privaten Blog bis zur Internetpräsenz für Unternehmen und vom Foto-Portfolio bis zum Nachrichten-Magazin ein breites Spektrum ab. Die Auswahl populärer Themes liefert viele Anregungen und zeigt, welches Layout gerade besonders gefragt ist. Jedes Theme hat außerdem ein eigenes Support-Forum, in dem kostenlos Fragen der Anwender beantwortet werden. OpenSource macht’s möglich.

Ein Teil der Themes im WordPress-Verzeichnis werden als Freemium Themes angeboten. Neben der kostenlosen („Free“) Grundfunktion bieten diese Themes gegen Aufpreis („Premium“) zusätzliche Funktionalität und weitere Komfortmerkmale, beispielsweise ein Auswahlmenü für zusätzliche Schriftarten oder die Auswahl von mehr Slides im eingebauten Slider. Der Vorteil dieses Angebots ist, dass Anwender durch die kostenlosen Variante einen guten ersten Eindruck von Programmierung und Benutzerfreundlichkeit des Themes erhalten; sie kaufen also nicht die sprichwörtliche Katze im Sack.

Ein Überblick über das kommerzielle Angebot

„Schlicht“ von Florian Brinkmann setzt auf minimalistisches Design und klare Struktur.

Abgesehen von solchen Mischformen hat sich für WordPress ein breiter Markt für kommerziell angebotene Themes gebildet. Schon für knapp 20,– Euro erhalten WordPress-Nutzer durchaus anständig programmierte Themes mit professioneller Gestaltung, zum Beispiel das typografisch hübsch umgesetzte, aufs Wesentliche reduzierte Theme „Schlicht“ von Florian Brinkmann.

Für seine Bachelorarbeit im Studiengang Informationsmanagement hat sich Florian Brinkmann mit dem Thema „Entwicklung eines WordPress-Themes mit Zielgruppe Fotografen“ auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist eine 172 Seiten (!) umfassende Beschreibung der notwendigen Schritte von Konzeption bis Umsetzung.

Auch wenn viele Nutzer durch die niedrigen Preise für WordPress-Themes falsche Vorstellungen haben, lässt der Umfang dieser Beschreibung erahnen, dass die Entwicklung eines Themes nicht mal eben an einem verregneten Sonntag-Nachmittag erledigt ist. Aber wieso können Themes dann überhaupt so preiswert angeboten werden?

Niedrige Preise: die Masse macht’s.

Der extrem niedrige Preis des Themes von Florian Brinkmann lässt sich wahrscheinlich nur mit viel Idealismus und der Liebe zum OpenSource-Projekt WordPress erklären. Bei erfolgreich vermarkteten Themes sorgt allerdings auch die weite Verbreitung für den notwendigen wirtschaftlichen Erfolg. Die tatsächlichen Entwicklungskosten, die sich bei aufwändig programmierten Themes mit mehrspaltigem Drag & Drop-Layout, einstellbaren Animationseffekten und anderen Gimmicks rasch auf einige tausend Euro belaufen können, lassen sich auch mit einer Lizenzgebühr von 60,– Euro abdecken – wenn das Theme nur oft genug verkauft wird.

Trotzdem vermittelt der niedrige Preis ein falsches Bild vom tatsächlichen Aufwand für kreative Leistung und Programmierung. Technisch unbedarfte Website-Betreiber erwarten häufig, dass die individuelle Anpassung eines gekauften Themes nicht viel mehr kosten darf, als das Theme selbst. Als Vergleichsmaßstab müsste aber der Gesamterlös eines Themes herangezogen werden. Für 30,– Euro wird kein ernstzunehmender Entwickler seinen Computer überhaupt erst einschalten.

CMS-Themes: ein riesiger Markt

Der Markt für Themes für Content Management Systeme wie WordPress ist riesig. Wer ein besseres Gespür für die wirtschaftliche Größe bekommen möchte, sollte sich Handels-Portale wie Themeforest anschauen.

Themeforest ist der meistbesuchte Anbieter der Firmengruppe Envato, die im vergangenen Jahr mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern digitale Kreativleistungen im Wert von über 400 Millionen US-$ umgesetzt hat. Themeforest bietet aktuell über 9.000 WordPress-Themes an. Beliebte Themes kosten im Schnitt rund 70,– Euro inklusive Steuern.

Ein Theme sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden …

Am besten laufen bei Themeforest aktuell so genannte Multipurpose-Themes, Themes die sich Dank vieler Einstellungsmöglichkeiten möglichst universell einsetzen lassen. Spitzenreiter ist mit über 300.000 verkauften Lizenzen das Theme Avada, das Multipurpose-Theme Enfold bringt es auf immerhin noch rund 120.000 verkaufte Lizenzen. Jede Lizenz kostet rund 70 Euro.

Solche Vielzweck-Themes sind in der WordPress-Community nicht unumstritten:

Die Verantwortung für ein ansprechende Gestaltung wird zu einem gewissen Grad vom Entwickler auf den Anwender übertragen; Einsteiger, die sich in gestalterischen Fragen überfordert fühlen, sollen bei der Einrichtung des Themes Entscheidungen über Typographie und Layout treffen. Multipurpose-Themes haben zudem oft aufgeblähte Stylesheets, um jede mögliche Darstellungsvariante abbilden zu können. Sobald Webseiten angezeigt werden sollen, muss jede Einstellung erneut abgerufen werden – und zwar bei jedem Seitenaufruf, wenn der Anwender kein Cache-Plugin installiert. Für Einsteiger ist das eine zusätzliche Herausforderung.

Wenn dann noch der inzwischen auf ein halbes Jahr beschränkte Support wegfällt, haben Nutzer oft den Eindruck, dass sie mit ihrem Einkauf im Regen stehen gelassen wurden. Dem Theme-Händler kann das egal sein, er hat seinen Umsatz gemacht und freut sich auf die nächsten Kunden. Ein fragwürdiges Geschäftsmodell.

Sicherlich haben Multipurpose-Themes auch ihre Berechtigung. Mit den mitgelieferten Page Buildern können Anwender vergleichsweise einfach mehrspaltige Layouts mit zunächst pfiffig erscheinenden Animationseffekten realisieren, alles per Drag & Drop statt mit vergleichsweise umständlichen Shortcodes. Die angebotenen Layouts wirken erst einmal recht professionell und die Entwicklungszeit ist kurz, was die Kosten für den eigenen Internetauftritt senkt. Durch die starke Marktpräsenz sind regelmäßige Aktualisierungen der Themes gewährleistet.

Das hat dazu geführt, dass sich einige „Webdesigner“ auf die Installation und individuelle Einstellungen eines einzigen Multipurpose-Themes für all ihre Kunden spezialisiert haben. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, wenn die Webdesigner (der englischen Begriff „Implementor“, Einrichter, wäre vermutlich treffender) die technischen Hintergründe kennen, ihre Kunden über die genannten Probleme von Multipurpose-Themes ausreichend aufklären und die notwendige Optimierung der Website-Performance fachgerecht ausführen.

Kritisiert wird, dass hier Inhalte an ein vorhandenes Theme angepasst werden. Tammie Lister, Leiterin des WordPress-Theme-Review-Teams, hat zu Multipurpose-Themes eine schöne Analogie formuliert: Ein Parka mag ein nützliches Kleidungsstück sein, das von jedem zu jeder Jahreszeit getragen werden kann, auf Opern-Bällen aber zu Irritationen führen könnte. Mit einem Theme (oder Kleidungsstück) ist es eben doch nicht getan.

Branchenlösungen – Fluch oder Segen?

Neben Multipurpose-Themes bietet Themeforest auch Branchenlösungen an, also Themes, die sich gezielt z.B. an Fotografen, Immobilienmakler oder Hochzeitsplaner wenden und meist noch eine zusätzliche, branchentypische Funktionalität enthalten – etwa ein komplettes Buchungssystem für Ferienwohnungen, Zahlung per Paypal inklusive. Negativbeispiel: WP Estate – Real Estate Responsive WordPress Theme.

Käufer sollten sich darüber im Klaren sein, dass diese Themes einen späteren Themenwechsel unmöglich machen, weil sonst auch die im Theme fest integrierte Funktionalität verloren geht. Die Richtlinien des eingangs erwähnten WordPress-Theme-Review-Team geben vor, dass Gestaltung und Funktionalität voneinander getrennt werden – Themes für die Gestaltung, Plugins für Funktionalität. Für Verkaufsplattformen wie Themeforest gelten diese Vorgaben nicht; hier steht der finanzielle Erfolg im Vordergrund.

Schlimmer noch: viele kommerziell angebotenen Themes sind einfach schlecht programmiert, selten übersetzt und oft nicht einmal für eine Übersetzung ausreichend vorbereitet. Käufer stellen das leider meistens erst dann fest, wenn sie den Kaufpreis für die Lizenz bereits gezahlt haben. Da der Käufer mit Download des Themes uneingeschränkten Zugriff auf den Theme-Code hat, ist bei vielen Anbietern ein späterer Umtausch ausgeschlossen.

Wer Pech hat, bekommt unter Umständen schon nach kurzer Zeit keine Updates mehr für sein Theme. Der Theme-Entwickler ist entnervt, weil er viel weniger Lizenzen verkauft hat, als erhofft und stellt sich wegen des finanziellen Misserfolgs bei Support-Fragen zu Programmierfehlern taub. Ein Theme-Wechsel kommt für den Anwender aber nicht mehr in Frage, weil (siehe oben) fest eingebaute Funktionalität verloren gehen würde. Ein hinzugezogener, externer Dienstleister hat wenig Lust, sich langwierig in den Spaghetti-Code einzuarbeiten, um später womöglich auch noch für ein schlecht programmiertes Theme zu haften. Das gilt besonders, wenn dann auch noch die Höhe der Kosten für eine individuelle Anpassung in Frage gestellt wird. Kurz: Käufer sollten sehr genau prüfen, auf was sie sich da einlassen.

Themeforest wurde hier als größter Theme-Verkäufer genannt, ist aber nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. Häufig genannte Anbieter sind Elegant Themes (Anbieter des populären Multipurpose-Themes DIVI), WooThemes(Ausrichtung auf eCommerce mit dem Plugin WooCommerce), StudioPress (Genesis-Framework), Themify und ThemeIsle.

Im deutschsprachigen Markt haben sich unter anderem die kleinen, aber feinen Theme-Anbieter MH Themesund Elmastudio fest etabliert.

Während sich MH Themes auf Gestaltungsvorlagen für Nachrichtenportale im Magazin-Style spezialisiert hat, bietet Elmastudio für 48,– Euro ein vielseitiges Theme-Bundle mit über 30 professionell und mit viel Hingabe gestalteten Themes. Das minimalistisch Design mit viel Weißraum gibt Blogbeiträgen und Bildern mehr Gewicht. Die Themes eignen sich im Gegenteil zu Multipurpose-Themes gezielt für bestimmte Einsatzzwecke, etwa eCommerce oder Blogs, Portfolios oder Unternehmensseiten. Die beiden Entwickler Ellen und Manuel haben ihren unverwechselbaren Stil, der den Themes viel Charakter verleiht.

Elmastudio Themes zeichnen sich durch ihr minimalistisches Design und einen unverwechselbaren Stil aus.

Der Lizenzpreis beinhaltet bei Elmastudio Aktualisierungen für ein Jahr. In Folgejahren kann die Lizenz mit 50% Rabatt verlängert werden. Dadurch entstehen nur Kosten für die tatsächliche Dauer der Nutzung, während für den gesamten Zeitraum ein kontinuierlicher Support gewährleistet ist.

Alle Themes sind umfassend in Englisch und Deutsch dokumentiert und für die Einrichtung gibt es zu jedem Theme ein gut verständliches Video-Tutorial, mit dem selbst ungeübte Einsteiger schnell zurecht kommen sollten. Der Showcase zeigt, dass den Anwendern die Umsetzung auch sehr gut gelingt. Wenn es trotzdem irgendwo hakt, steht für Fragen ein eigenes Support-Forum zur Verfügung. Unzufriedene Kunden bekommen bis zu 30 Tage lang ihr Geld zurück.

Auch bei MH Themes gibt es nach dem ersten Jahr die Möglichkeit einer Lizenz-Verlängerungen mit 25% Rabatt. Gegen Aufpreis werden Themes auch gerne installiert. Bei Fragen zu den Themes bemüht sich das Support-Team innerhalb von 24 Stunden um eine Antwort.

Es gibt sie also doch, die perfekten Theme-Anbieter.

Traumlandschaften, beeindruckende  Architektur und Top-Models

Damit sich Käufer einen ersten Eindruck verschaffen können, bieten die meisten Theme-Anbieter für jedes Theme eine eigene Demo-Websites an. In diesem Theme-Preview präsentieren sich Themes natürlich in einer perfekten Welt: Profi-Fotos von interessanten Gebäuden, spektakulären Landschaften und schönen Menschen, farblich und thematisch aufeinander abgestimmt werden mit werbenden Texten in perfekter Länge ergänzt. Das in der Demo beworbene Hipster-Unternehmen hat natürlich exakt vier Mitarbeiter, damit die im Theme vorgesehenen vier Spalten mit Inhalt gefüllt werden.

Die eigenen Webseiten sehen mit dem gleichen Theme aber gleich etwas anders aus, wenn die Fotos nicht vom Profi sondern aus dem eigenen Smartphone stammen und nicht so aufwändig nachbearbeitet wurden, die Texte unterschiedlich lang ausfallen und die vierspaltige Mitarbeiter-Galerie für das Einzelunternehmen sowieso ausfällt.

Dieses Beispiel zeigt den klassischen Einsteiger-Fehler, bei der Theme-Demo zu sehr auf schicke Fotos und zu wenig auf Funktionalität zu achten. Teilweise beschweren sich Einsteiger sogar (WordPress.org-Forum: „Warum kann man Vorschau Seiten nicht übernehmen?“), dass sie ein Theme gekauft und installiert haben, dann aber vor einem leeren Blog sitzen, in dem es nur einen „Hallo Welt“-Beitrag gibt.

Damit Anwender die Demo-Website nachbauen können, liefern manche Theme-Entwickler zusätzlich eine WordPress-Importdatei im .xml-Format, mit der Fotos und Inhalte der Theme-Demo importiert werden können. Das ändert aber nichts daran, dass Themes nur Gestaltungs-Vorlagen sind; den Inhalt muss der Anwender beisteuern.

Website-Betreiber sollten sich deshalb vor allem fragen, ob das vorgestellte Theme die eigenen Inhalte ansprechend präsentieren kann und ob für das im Theme vorgesehene, bildschirmfüllende Header-Bild überhaupt ein geeignetes Fotos vorhanden ist.

Statt sich von Stock-Fotos beeindrucken zu lassen, sollte sich der Anwender ganz praktische Fragen stellen, also zum Beispiel …

  • Habe ich aussagefähige Texte, um meine Webseiten mit Inhalt zu füllen?
  • Kann ich den Slider oder andere Animationseffekte beliebig und auf mehreren Seiten nutzen?
  • Sitzt die Navigation an der richtigen Stelle?
  • Wie verhält sich das Theme bei Ansicht auf dem Smartphone oder Tablet?
  • Möchte ich gestalterische Anpassungen vornehmen und welche Möglichkeiten bietet mir das Theme hierfür?
  • Wie lange gibt es das Theme schon und wann wurde das letzte Update bereitgestellt? Gibt es künftig Updates?
  • Reagiert der Theme-Entwickler auf Support-Anfragen?
  • Ist ein späterer Wechsel des Themes möglich?

Um die Auswahl zu erleichtern, werden bei Themeforest verdiente Entwickler mit Entwickler-Badges ausgezeichnet. Zu jedem Theme gibt es technische Informationen zu unterstützten Browser-Versionen, technischen Voraussetzungen, Kompatibilität mit älteren WordPress-Versionen, Datum des letzten Updates und Schlagwörtern für die Suche ähnlicher Themes. Anwender sollten sich die Mühe machen, Themes anhand dieser Angaben sorgfältig zu vergleichen.

… oder ich mach mein eigenes Ding

Wer bei der Auswahl eines Themes zu viele Einschränkungen macht, wird am Ende nichts passendes finden. Ein Theme mit großformatigem Header-Slider und feststehendem Navigationsmenü, das beim Mauszeigerkontakt Bilder unbedingt Kategorien mit Icons anzeigt und dabei aber bittesehr die Schriftart Braggadocio verwendet? Vielleicht gibt es das sogar, aber die Chancen auf das perfekte Theme sinken mit jedem weiteren Wunsch.

Als ich mit WordPress angefangen habe, war meine trotzige Reaktion „Dann mach ich mir eben mein eigenes Theme.“ Dank Starter-Themes wie underscores.me müssen Entwickler dabei nicht einmal das Rad neu erfinden. Starter-Themes enthalten bereits alle notwendige Funktionalität, aber – und das ist beabsichtigt – keinerlei Formatierung. Die soll erst durch den Entwickler hinzugefügt werden. Entwickler können sich damit viel Arbeit sparen und Themes preiswerter anbieten. Das erspart aber natürlich nicht eine sorgfältige Konzeption und die fehlerfreie handwerkliche Umsetzung.

Es ist eine finanzielle Frage, ob Kunden tatsächlich den Mehraufwand für ein individuelles Theme tragen wollen oder schon mit wenigen Anpassungen eines soliden, vorhandenen Themes völlig zufrieden sind. Hinterfragt man die Vorgaben des Kunden, stellt sich vieles als nice to have heraus – Wunschdenken, für das aber kein Budget vorhanden ist. Woher sollen Kunden auch wissen, wieviel Programmieraufwand dahinter steckt?

Anpassungen im Theme selbst sollten tabu sein. WordPress bietet statt dessen die Möglichkeit, so genannte Child-Themes anzulegen. Child-Themes sind Themes, die Gestaltung und Funktionalität eines anderen (Parent) Theme übernehmen und ansonsten nur aus abweichenden Theme-Dateien (Templates) bestehen. Im Web gibt es zahlreiche Tutorials, in denen die Erstellung von Child-Themes erklärt wird.

Der Vorteil von Child-Themes ist, dass Anpassungen jederzeit transparent sind und durch Aktualisierungen des Parent-Themes nicht überschrieben werden. Nachteil ist, dass nach jeder Aktualisierungen des Parent-Theme geprüft werden muss, ob das Child-Theme nicht ebenfalls angepasst werden muss. Wenn es hart auf hart geht, kann ein Update des Themes dazu führen, dass WordPress nur noch eine völlig leere Seite ausgibt. (Auf diesen Umstand weist Torsten Landsiedel in seinem Beitrag über das Child-Theme-Dilemma hin und liefert mit dem Plugin Child Theme Check gleich ein Werkzeug, mit dem sich Abweichungen zwischen Parent- und Child-Theme besser nachvollziehen lassen.)

Der CSS Zen Garden umfasst über 200 Designs, die ausschließlich auf unterschiedlichem CSS beruhen.

Dabei ist für gestalterische Änderungen oft nicht mal ein Child-Theme nötig. Seit Version 4.7 gibt es im WordPress-Customizer ein zusätzliches Eingabefeld, in dem Anwender eigene CSS-Regeln hinzufügen können. Wer sich an die Gestaltungsbeispiele des CSS Zen Garden erinnert, weiß, dass sich ein Layout schon mit wenigen Zeilen CSS-Code ganz erheblich ändern lässt. Funktionelle Anpassungen sind sowieso in einem Plugin besser aufgehoben.

Wie Sand am Meer …

Wer heute nach WordPress-Themes sucht, findet garantiert etwas passendes. Ob kostenlos, mit Aufpreis („Freemium“), einmal oder jährlich anfallenden Lizenzgebühren, zeitlich begrenztem oder langfristigem Support für klassische oder moderne Blogs, Magazine, Portfolios oder Unternehmensseiten – es ist für jeden etwas dabei. WordPress ist flexibel, individuelle Anpassungen sind meist selbst ohne Programmier-Kenntnisse möglich.

Einsteiger sollten mit einem der mitglieferten Standard-Themes anfangen und dieses Theme wirklich erst einmal ausreizen, bevor sich sie mit anderen Themes auseinandersetzen. Während der Nutzung ergeben sich meist ungeahnte Möglichkeiten.

Als nächstes bietet sich dann die Nutzung der kostenlos erhältlichen Themes im WordPress-Verzeichnis sein. Diese Themes entsprechen den strengen Regeln des WordPress-Theme-Review-Teams; Support-Forum und für jeden einsehbarer OpenSource-Code helfen bei Fragen zum Theme.

Wer damit nicht auskommt und gerne etwas Geld ausgeben möchte, sollte vorab alle Punkte notieren, die das Theme erfüllen muss. Nicht die tollen Bilder in der Theme-Demo zählen, sondern Funktionalität. Wer einen Blog mit Kommentaren führen möchte, sollte sich anschauen, wie Beiträge mit Meta-Daten und verschachtelten Kommentaren dargestellt werden. Einsteiger beschweren sich oft, dass sie im WordPress-Editor keine Schriftarten auswählen können. Wer Geld für ein Theme ausgibt, bezahlt damit auch einen Designer, damit der sich um eine optimale Typografie kümmert.

Ein Multipurpose-Theme zu kaufen und anschließend den Inhalt nach dem Theme auszurichten, ist in den allermeisten Fällen der falsche Ansatz. Wer alle möglichen Animationseffekte ausnutzt, weil das Theme sie anbietet, erhält garantiert langsame Webseiten mit viel Schnick-Schnack. Erfolgreiche Webseiten haben eine klare Typografie, ein reduziertes Layout und stellen Inhalte, nicht Animationen, in den Vordergrund.

Feedback nicht vergessen!

Nach Installation und während der Einrichtung des Themes sollte in der WordPress-Konfigurationsdatei wp-config.php der Debug-Modus aktiviert werden, um rechtzeitig Hinweise zu möglichen Programmierfehlern zu erhalten. Wenn andere Ursachen als Fehlerquelle ausgeschlossen werden können, sollte der Theme-Entwickler bei Fehlern direkt angesprochen werden. WordPress ist OpenSource und jedes WordPress-Theme, dass auf WordPress-Funktionen zurückgreift, unterliegt ebenfalls der GPL. Der Kaufpreis eines Themes enthält vor allem Support und Gewährleistung.

Grundsätzlich lieben Theme-Entwickler Feedback. Im WordPress-Verzeichnis und bei den meisten kommerziellen Anbietern können Anwender eine Beurteilung für Themes abgeben. Der Anwender trägt mit seiner Bewertung ein wenig zum OpenSource-Projekt WordPress bei und hilft nicht nur anderen Nutzern bei der Auswahl eines Themes, sondern gibt auch dem Entwickler wichtige Rückmeldungen zu seiner Arbeit.

Wie heißt es so schön? „Liebe wächst, wenn man sie teilt.“

15 Kommentare zu “Dann kauf’ ich mir einfach ein Theme …

  1. Wirklich sehr schöner und ausführlicher Artikel. Ich glaube das ist sogar der ausführlichste Artikel zu dem Thema den ich je gelesen habe! Vielen lieben Dank auch für die Erwähnung von MH Themes, das freut uns sehr. 🙂

    • Dieser Aussage kann ich mich nur anschliessen – sehr ausführlich und schön geschmeidig geschrieben. Ich bin als Web-Entwickler alle Wege gegangen: Multpurpose-Theme von themetrust.com, underscore als Basis oder kompletter Eigenbau für Kunden verschiedenster Branchen. Alle Wege führen nach Rom, sind aber nicht immer gleich komfortabel und bieten manchmal eben Überraschungen. Am meisten mag ich kompletter Eigenbau in Kombination mit dem Page Builder Plugin von SiteOrigin – das passt für mich und unsere KMU-Kunden in den meisten Fällen.

      Danke Bego.

  2. Danke für diesen Beitrag!

    Erfahrung eines alten Mannes, der aus der „traditionellen“ Software-Entwicklung kommt und im Vorruhestand als WordPress-Einrichter aushilft:

    Für eine lokale Agentur, die im Akkord Websites für Kleinunternehmer, Ärzte, Künstler, Vereine, Bürgerinitiativen usw. bastelt, ist es m.E. entscheidend, möglichst viel Mehrfachverwendung hinzubekommen, d.h. für jeden Kunden aufwendig Themes zu suchen und zu evaluieren ist einfach kostenmäßig nicht drin.

    Daher: mit dem Kunden spricht eine Mediengestalterin Struktur, Bilder, Farbkonzept, Schriften usw ab, die Umsetzung erfolgt dann iterativ, in 9 von 10 Fällen mit ein und demselben leicht anpassbaren, schlanken Basis Theme + ein bischen CSS dort und PHP da + ggfs. individuell ausgesuchtenPlugins.

    Im Laufe der Zeit sammelt sich so ein Vorrat an wiederverwendbaren Lösungen an, was den Aufwand entsprechend reduziert. Zumal sich bei viel verwendeten Themes viele Lösungen bei Google & Co finden.

    Vielleicht meine persönliche Vorliebe, aber das ausgesuchte Theme sollte mich möglichst wenig zu diesem unsäglichen Child-Theme-Konzept zwingen, sondern eine Anpassung über Hooks und Filter ermöglichen.

    PS.
    In unserem Fall:
    – Theme GeneratePress (meistens Pro)
    – Elementor (manchmal Pro. Ja, ein PageBuilder. Und ja, wir wissen was wir tun.)
    – oder Advanced Custom Fields Pro + Custom Templates (häufig)

    PS2.
    Wenn das nicht funktioniert, nehmen wir natürlich Elmastudio Themes 🙂

  3. Danke für diesen sehr umfassenden Artikel, den ich nur zustimmend begrüßen kann.
    Im Nachhinein erkenne ich, dass ich als Einsteiger keine großen Fehler bei der Theme-Auswahl gemacht habe.
    In der Reihenfolge twentyeleven-MH Theme habe ich meinen Weg gefunden.

  4. Wirklich ein Klasse Artikel!!
    Ich bin schon lang im Geschäft mit WP und Joomla, einige Zeit gewerblich. Ich habe schlechte Erfahrungen mit all den tollen Templates und Themes gemacht, ob kostenlos oder – pflichtig. Die Entwickler steigen aus und man sitzt auf einem veraltenden Template mit all den Sicherheitproblemen. Ich verwende nur noch die hauseigenen Templates/ Themes und passepasst die du gut als möglich an.

    Nochmal danke für den tollen Artikel.

  5. Ein wirklich aufschlussreicher Artikel, vielen Dank! Wenn ich überlege, wie lange ich am Anfang gebraucht habe, etwas passendes zu finden und mich da „durchzuwursteln“ durch die hunderten Themes, die alle doch ähnlich aussehen, bin ich froh, dass ich jetzt im Laufe der Zeit schlauer geworden bin, worauf zu achten ist.

    Auf Empfehlung kam ich für den ersten Kunden auf oben erwähntes Avada. Dass fand ich bei genauerer Betrachtung in der Tat etwas sehr komplex als Anfänger, dass ich da fast verzweifelt wäre wegen der vielen Möglichkeiten an welchem Rädchen ich wo drehen muss, bis es passt. Zudem war meine Seite trotz einiger Kniffe nicht wirklich schnell ladbar. Klar bei dem Code, der da im Hintergrund läuft und aufbläht. Aber nun geht es und ist akzeptabel laut Pagespeed.

    Daher kam ich beim nächsten (eigenen) Projekt auf ein schlankeres Fremium-Theme, dass wegen seiner einmaligen Lizenskosten und mehrfacher Verwendung die beste Lösung für mich mit 4 eigenen (bewußt ähnlich aussehenden) Themenportalen darstellte. Denn 4 Lizenzen für ehrenamtliche Seiten wird etwas arg teuer und die meisten Funktionen nutze ich nicht. Und ein Theme zu finden, dass optisch passt und auch Lizensmäßig ist schwer. Aber wenn man nicht selbst programmieren will/kann…

    Aber auch beim Fremium-Theme habe ich gebraucht das alles anzupassen. Denn in der Tat beachtet man manchmal einfach die Beschränkungen in einem einzelnen Bereich nicht (Z.B. Header) und lässt sich von einer Demo beeindrucken, die dann wenig mit dem eigenen Ergebnis gemeinsam hat im Rückblick. Und wenn man leider nicht sooo viel Ahnung hat von CSS, können die Nächte lang werden, für Lösungen die letztlich mit einer Zeile Code erledigt sind. Setzt voraus, dass man die Code-Zeile findet und den richtigen Bereich anspricht. Aber das ist Lehrgeld und Wissen, dass mit der Zeit für Aha-Effekte sorgt.

    Mein Fazit: Letztlich nutzt das beste Theme nichts, wenn man nicht weiß wie man es richtig anpassen kann, weil Grundlagen in CSS fehlen. Die Meinung, dass man doch heutzutage mit wenig Wissen in kürzester Zeit eine tolle WP-Seite erstellen kann, ist für mich jedenfalls ein Trugschluss und weiß man wohl erst, wer es gemacht hat. Und nicht zu vergessen: Manche haben dann z.B. optisch tolle Seiten aber vergessen Absicherungen gegen Hacker, Backups etc. Aber auch da lernt man irgendwann aus den Fehlern und ist ein anderes Kapitel…

  6. Danke zunächst einmal für diesen wirklich tollen Artikel!

    Themeforest war und ist bis heute auch meine erste Anlaufstation auf der Suche nach einem geeigneten Theme. Die Gefahr, dass der Entwickler aussteigt und man dann im Regen steht, ist zwar gegeben, aber bei kostenlosen Themes meiner Meinng nach wesentlich größer. Also Kaufkriterium Nr.1 ist bei mir immer die Zahl der Verkäufe und die Bewertung durch die Käufer. Auch schaue ich mir den Support an, der ja teilweise bei Themeforest veröffentlicht wird und kann daran in etwa ablesen, wie schnell und gut Support in dem einen oder anderen Fall stattfindet. Weiterhin kaufe ich gerne Themes ein, die schon möglichst viele Funktionalitäten bereits integriert haben und man daher nicht für alles ein extra Plugin installieren muss. Der Trend bei den WordPress Themeprogrammierern geht ja auch in diese Richtung. Obwohl diese Medaille leider auch eine Kehrseite hat. Ich sage meinen Kunden immer „WordPress an sich ist ziemlich einfach zu beherrschen, schwierig wird es, wenn man sich in ein sehr komplexes Theme einarbeiten muss“.

    Auf die Dauer sehe ich bei WP die Gefahr, dass es immer weiter aufgebläht wird, durch zusätzliche Funktionen, die eigentlich in WordPress nichts zu suchen haben (siehe Bildbearbeitung!) und WP dadurch unter anderem immer langsamer und immer anfälliger für Manipulationen durch außen wird. Das hat natürlich auch etwas mit dem Thema „Themes“ zu tun …

  7. Diesen Beitrag sollte man ausdrucken und zu den Kunden mitnehmen. Natürlich das Wichtige unterstreichen. Einerseits erkennen sie, dass die Anpassungen Zeit (und ihr Geld) kosten und nicht alles, was schön blinkt, auch sinnvoll ist. Er bietet eine gute Basis für Gespräche mit den Kunden, denn das Projekt soll ja eine Weile durchhalten und die Kunden dazu animieren, mehr über ihr neues Projekt nachzudenken. (Machen Sie mal … )

    • Bei Sandbox werd ich ganz sentimental. Meine aller erste WordPress-Seite (2008) lief auf einem Sandbox-Theme. Mal schauen, ob ich die noch irgendwo finde…

  8. Gratulation zu diesem guten Artikel, dem ich in allen wichtigen Punkte nur zustimmen kann.

    Besonders gut hat mir der Punkt gefallen, dass das Theme bzw. Design dazu da ist, den Inhalt, insbesondere den Text, gut zu präsentieren. Meinen Kunden impfe ich so oft wie möglich die Bauhaus-Richtlinie „form follows function“ ein.

    Zuerst sollte der wesentliche Inhalt erstellt und über dessen Strukturierung auf den Seiten sowie die Verteilung über die Seiten entschieden werden. Danach kann man die passende Verpackung (Theme) dafür auswählen.

    • Danke für die Hirn-Korrektur 🙂

      Der Kommentar ist zwar schon eine Weile her … aber gilt.

      Erst das Füllhorn der Beiträge und der zu erwartenden Beiträge in der Hand halten,
      dann überlegen, über welche Container es ausgestreut werden soll 🙂

      Huibert

  9. […] Zur Vorgeschichte: Seit einigen Jahren setzen wir auf unserer Webseite aachen50plus ein sogenanntes Multi-Purpose-Theme ein. Als Multi-Purpose-Theme werden Themes bezeichnet, die schon sehr viele Optionen wie Slider, etc. enthalten, die man ansonsten über Plugins zusätzlich einbinden müsste. Diese Themes werden gerne eingesetzt, weil man im Prinzip alles in einem Paket hat. Das hat gewisse Vorteile, aber auch sehr viele Nachteile. Das ist aber an sich ein anderes Thema. Einen sehr interessanten Beitrag zu diesem Thema – wenn auch schon etwas älter – findet man z. B. hier. […]

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